Der Kindle liest mit: Datenschutz adé!

E-Reader: Privatsphäre adé!“Manchmal passieren den Menschen Dinge, für die sie nicht gewappnet sind”

So liest es sich in den Tributen von Panem, dem zweiten Teil. Diese Stelle fanden mindestens 17.784 Menschen interessant, denn so viele haben sich den Satz auf ihrem Amazon Kindle markiert. Damit ist dies gleichzeitig auch die am häufigsten markierte Stelle auf allen Kindle-Geräten überhaupt. Woher ich das weiß? Hier steht es.

Noch mehr kuriose Fakten:

  • Der durchschnittliche Leser benötigt etwa 7 Stunden für den letzten Teil der Tribute von Panem. Das entspricht einer Lesegeschwindigkeit von 57 Seiten pro Stunde.
  • Nach Fertiglesen des ersten Teils der Tribute von Panem laden die meisten Nutzer gleich den zweiten Teil herunter. Nicht sonderlich überraschend, aber beängstigend, dass es aufgezeichnet wird.
  • Non-fiktionale Bücher werden generell abschnittsweise gelesen, während Romane meistens in einem Schwung konsumiert werden.
  • Das Lesen besonders langer non-fiktionale Bücher wird früher aufgegeben.
  • Die Leser von Science-Fiction, Romanzen und Crime-Fiction lesen schneller und lesen auch mehr Bücher bis zum Ende.

Kindle Datenschutz

Die meisten Kindle-Benutzer wissen nicht, dass Amazon ihr Leseverhalten analysiert und speichert. Doch so ist es. Hat man einmal den E-Reader von Amazon registriert, so werden diverse Daten mit dem Mutterschiff ausgetauscht.

Früher hatten Verlage und Autoren keinen blassen Schimmer, was die Käufer mit ihren Büchern anstellten. Heute könnten sie es, theoretisch. Wer weiß, ob Amazon die Daten an die Verlage weitergibt, prinzipiell wäre das denkbar. Hört der Leser bereits nach drei Seiten auf zu lesen? Oder liest er das ganze Buch in einer Sitzung? Überspringt er die Einleitung oder gar ganze Kapitel? Erstmals gibt es Einblick hinter die Verkaufszahlen: Warum kaufen Leute das Buch, welche Abschnitte interessieren die Leser besonders?

Eine böse Zukunftsvision bahnt sich an, Autoren könnten sich auf vielgelesene Abschnitte ihrer Bücher fokussieren, das schreiben, was die Leser gerne hätten, ein literarischer Einheitsbrei entstünde. Keine Sorge, es geschieht schon längst.

Jahrhundertelang war das Lesen ein höchst privater Akt, doch erstmals scheint er quantifizierbar und öffentlich zu werden. Buchveröffentlichungen waren einer der wenigen Bereiche, in denen das Marktumfeld vorher nicht sicher getestet werden konnte, ganz im Gegensatz zu Kinofilmen, Fernsehsendungen, Essensprodukten und so weiter.

Die Firma Barnes & Noble, welche mit dem Nook immerhin 25 – 30% des Marktanteils an E-Readern innehält, wertet ebenfalls das Leseverhalten der Benutzer aus. Die Daten sagen beispielsweise aus, wie weit ein Leser bei einem bestimmten Buch gekommen ist, mit welcher Geschwindigkeit bestimmte Leser lesen und für welche Bücher sind Anhänger bestimmter Genres interessieren. Jim Hilt, der Vizepräsident der Abteilung E-Books, gab zu, dass Barnes & Noble die erhobenen Daten in Zusammenarbeit mit Verlagen auswertet, “um bessere E-Books zu produzieren” (WSJ).

Erste Maßnahmen wurden auf Basis dieser Daten schon eingeführt. So war u.a. ein Grund für die Einführung von “Nook Snaps”, kurzen Texten über sachliche Zusammenhänge, dass Leser oftmals non-fiktionale Bücher nicht bis zum Ende lasen.

Bleiben wir gespannt, was die Zukunft bringt.

Quellen:

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